Erstsemesterbegrüßung von 2006

Als ehemaliger Vorsitzender der Studierendenschaft der Hochschule Anhalt (FH) gehörte es auch zu meinen Vergnügen die Erstsemester an der Hochschule zu begrüßen. Die nachfolgende Rede hielt ich am 2. Oktober 2006 zur feierlichen Immatrikulation der neuen Kommolitonen. Ich durfte als letzter Redner, nach den Erläuterungen zum Studienablauf von Herrn Todde, welche inhaltsbedingt etwas einschläfernt wirkten, die junge Meute wieder zum Leben erwecken. Anscheinend gelang mir das auch zufriedenstellend, wie auch schon die zwei Jahre davor, jedenfalls hoben alle die Köpfe und lauschten meinen Worten. Irgendwie muss die Rede ganz gut gewesen sein, sonst wäre sie ja nicht von meinem Nachfolger in diesem Jahr fast wörtlich übernommen worden. Obwohl ich fand, das er die besten Stellen leider weggelassen hat. Daher möchte ich sie hier nochmals vollständig zugänglich machen. _________ Eurer Andreas

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Liebe neue Kommilitoninnen und Kommilitonen, oder einfach liebe Frischlinge,

ich begrüße Euch im Namen der Studierendenschaft sehr herzlich an der HSA. Ich bin Andreas Greiner, meines Zeichens ehemaliger Sprecher des Stura. Es freut mich Euch hier so zahlreich begrüßen zu können. Meine Vorredner haben ja schon viele schöne Dinge erzählt, wovon Ihr bestimmt schon das meiste wieder vergessen habt und deshalb will ich Euch auch nicht weiter aufhalten und mich kurz halten.

Ihr habt Euch entschieden zu studieren. Was bedeutet das eigentlich. Studieren heißt erstmal, das Ihr eine Hochschulausbildung macht. Es kommt von dem lateinischen Wort studére, was wiederum „betreiben“ oder „sich Bemühen um etwas“ bedeutet. Aber studieren bedeutet auch etwas aufmerksam bzw. kritisch lesen. In einer Vorlesung dann entsprechend aufmerksam bzw. kritisch zuhören, für die die nicht lesen können. Also keine Angst vor Kritik, denn die gehört dazu, sich selbst und auch den anderen gegenüber.

Ich hoffe das Ihr Euch das merkt, wenn nicht schreibt es Euch einfach auf. Das Studium, was vor Euch liegt, wird so manche Überraschung bereithalten. Aber keine Angst vor dem Unbekannten, vor dem Neuen und vor dem Altem macht es euch zu Eigen – dann werdet ihr daran wachsen denn darum seit ihr hier. Es geht darum eine Persönlichkeiten zu entwickeln. Und das kostet Zeit und Anstrengung. Anstrengung bedeutet Energieverlust, was Ihr aber mit etwas zu essen wieder ausgleichen könnt. Zeit scheint heute ein Problem zu sein, alles soll schnell gehen. Bestimmte Dinge brauchen aber Zeit. Zeit hat man nicht, Zeit muss man sich nehmen.

Eine Entscheidung in welche Richtung Ihr gehen wollt , habt ihr schon getroffen. Ob es der richtige Weg ist werdet ihr früh genug mitbekommen. Falls Ihr merkt, das es der falsche Weg ist zieht rechtzeitig die Bremse. In Zeiten von Studiengebühren kann es euch sonst teuer zu stehen kommen. Eine Kurskorrektur wird euch keiner verübeln, nicht das ihr noch in den falschen Hafen segelt der Gesetzgeber gibt Euch sogar zwei Semester Zeit dafür.

Ihr seit jetzt der dritte Jahrgang der ein Bachelor-Studium in Angriff nimmt. Ich denke der Bachelor wurde auf einer soliden Grundlage aufgebaut und den neuen Anforderungen entsprechend angepasst. Es wird bestimmt, hier und da, einige Probleme geben, aber Probleme sind da um gelöst zu werden. Hier kommt jetzt der Studierendenrat und die Fachschaften als Eure Ansprechpartner ins Spiel. Als Eure Vertretung wird sie die Probleme an den richtigen Stellen ansprechen und einer Lösung zuführen. Ihr findet uns im Hardenberghaus oder auch überall auf dem Campus, sprecht uns einfach an, wenn wir Euch über den Weg laufen.

Und jetzt sind wir an einem Punkt, der uns allen wichtig ist, auch den Professoren. Ein Großteil von Euch ist hier um Architektur oder Design zu studieren, also um zu Gestalten. Gestalten kann man nicht nur Bildchen und Häuschen, NEIN! Gestalten kann man auch sein Umfeld, so z.B. die Hochschule, also die Gebäude in denen Ihr demnächst viel Zeit verbringen werdet. Und damit sind also auch die Facility Manager und Vermesser angesprochen nicht das Ihr denkt, Ihr könntet Euch aus der Verantwortung stehlen.

Um etwas Gestalten zu können muss man erst mal etwas wahrnehmen. Aber die Wahrnehmung alleine ist es auch nicht, die kann täuschen. Es kommt auch auf die Betrachtungsweise an. Ist das Glas nun halb voll oder halb leer. Ihr könnt entweder nur einen grauen Betonklotz sehen oder aber einen großen neutralen Raum, der nur darauf wartet ausgefüllt, also von Euch in Besitz genommen zu werden.

Der Architekt der meisten unserer neuen Hochschulgebäude schuf sagte: er habe die Hülle geschaffen, die Studenten als neue Besitzer müssen diese jetzt mit Leben füllen. Also bitte ich Euch. Gestaltet die Hochschule aktiv mit. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel in den studentischen Gremien oder den Fachschaften für diejenigen die politisches Engagement zeigen wollen, man braucht dich.
Aber auch außerhalb davon könnt ihr euch einbringen. So gibt es zum Beispiel eine Campusband. Das Café braucht Leute. Außerdem gibt es AG´s, wovon ich drei kurz vorstellen möchte:

1. die AG film – Sie betreibt ein kleines Kino im Hardenberghaus. Jeden Dienstag und manchmal Donnerstag finden Vorführungen statt.

2. die AG tonvergnuegen – ist Veranstalter von zahlreichen Partys. Sie stellt Euch auch für Eure WG-Party Technik zur Verfügung. Übrigens die Erstsemesterparty findet am 18. Okt. in der Mensa statt. Infos gibt es unter der Adresse www.tonvergnuegen.de

3. der murgs – ist die Studentenzeitung der Hochschule für den Standort Dessau. Sie erscheint in unregelmäßigen Abständen, aber wenn Ihr Lust habt die Redaktion etwas zu unterstützen, auch etwas öfter.

Also wer konsumieren will, der soll nach Berlin oder Leipzig fahren. Dessau muß man erobern, Möglichkeiten und Freiräume gibt es genug. Es gibt dafür zahlreiche Beispiele, welche ich jetzt nicht aufzählen möchte. Manchmal lohnt es sich zurückzuschauen. Man kann das Rad nicht immer neu erfinden, aber man kann Existierendes weiterentwickeln bzw. anpassen.
Ich sage immer: interessant ist nicht das, was wir noch nicht wissen, sondern das was wir vergessen haben. Daraus lassen sich neue Erkenntnisse entwickeln. Und Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Studieren bedeutet nicht nur auswendig lernen, denn nicht die Antworten sind wichtig, sondern die Fragen die Ihr stellt. Vertraut auch Euren Instinkten und Handelt entsprechend. Übrigens, Professoren haben eine These, die sie vermitteln wollen, das heißt nicht unbedingt, das sie Recht haben. Also keine Angst, löchert sie mit Fragen und seit nicht brav sondern wach. Studium ist ein Selbstfindungsprozess. Also geht auf die Suche!

Ich wünsche Euch viel Freude und Erfolg dabei.
AG

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